92. Int. Lauberhornrennen 14.-16. Januar 2022
Wengen

Swiss Ski will Wengen die Lauberhornrennen entziehen

Wie öffentlich bereits bekannt ist, strebt das OK der Internationalen Lauberhornrennen seit Langem eine Einigung mit Swiss Ski an, was die Aufteilung von am Anlass in Wengen generierten Geldern betrifft. Nach einem kürzlich ergangenen Zwischenurteil des CAS versuchte das OK erneut, mit Swiss Ski Gespräche bezüglich einer gütlichen Einigung der Angelegenheit aufzunehmen. Eine materielle Reaktion von Swiss Ski blieb bisher aus. Nun hintergeht offensichtlich Swiss Ski die Lauberhornrennen und den Skirennsport: Wie die FIS dem OK mitteilte, will Swiss Ski die Lauberhornrennen vom Rennkalender streichen lassen. Ein entsprechender Antrag wurde an der heutigen Sitzung des Worldcup-Subkomitees der FIS eingebracht. Dies, obwohl Swiss Ski-Präsident Urs Lehmann nur wenige Tage zuvor in verschiedenen Interviews öffentlich die grosse Wichtigkeit der Lauberhornrennen betonte.

Wie verschiedene Medien in der Vergangenheit bereits berichteten, befinden sich die beiden Partner
Internationale Lauberhornrennen Wengen und Swiss Ski in einem Verfahren vor dem Internationalen
Sportgerichtshof CAS. Dabei geht es im Kern um eine vertraglich zugesicherte und gerechtere
Verteilung der am Anlass in Wengen generierten finanziellen Mittel. Eine gerechtere Verteilung ist
nötig, damit der Veranstalter vor Ort den Anlass und die zunehmenden Risiken langfristig finanzieren
kann. Nur so sind attraktive Rennen vor Ort möglich, welche Swiss Ski im Gegenzug die Finanzierung
ihrer Leistungen zu Gunsten der Schweizer Skirennfahrer erlauben.


Vorgeschichte
Swiss Ski legt mit den Schweizer Veranstaltern von internationalen Skisportanlässen die Konditionen
für die Durchführung der Rennen jeweils in 5-Jahres-Verträgen fest. In den Jahren 2016 und 2017
konnten sich das OK der Lauberhornrennen und Swiss Ski nicht auf die Modalitäten für die
Vertragsperioden 2018 bis 2022 einigen. Auf Initiative der Lauberhornrennen fanden noch bis
anfangs 2018 weitere Gesprächsrunden statt, in welchen das OK Wengen jeweils
Kompromissvorschläge einbrachte. Swiss Ski hielt jedoch trotz steigenden Einnahmen aus dem
Anlass an den alten Konditionen fest. Diese Haltung zementierte die Ausgangslage, wonach die
steigenden Risiken der Veranstaltungen an die Organisatoren vor Ort delegiert werden. Wie in den
Verträgen vorgesehen, sah sich das OK der Lauberhornrennen daher Mitte 2018 gezwungen, den
Internationalen Sportgerichtshof CAS anzurufen, um eine Einigung herbeizuführen.
Obwohl seit 2017 ein vertragsloser Zustand herrscht, man sich während den Rennen 2018 bis 2020 in
einer Auseinandersetzung vor dem CAS befand und kein schriftlicher Veranstaltervertrag vorlag,
organisierte das OK der Lauberhornrennen in diesen drei Jahren erfolgreiche Wettkämpfe, welche
bei Swiss Ski hohe Einnahmen generierten (insbesondere aus nationalen und internationalen
Fernsehrechten).


Zwischenurteil des CAS
Im Frühjahr 2020 erging ein Zwischenurteil des CAS. Das OK der Internationalen Lauberhornrennen
hält sich an die Abmachung, wonach über den Inhalt des Zwischenurteils nicht berichtet wird. Das OK
nahm jedoch das Zwischenurteil zum Anlass, erneut das Gespräch mit Swiss Ski zu suchen, um eine
gütliche Einigung unter den langjährigen Partnern herbeizuführen. Bis heute liegt dazu keine
materielle Reaktion von Swiss Ski vor. Die neuesten Entwicklungen können nur dahingehend
gedeutet werden, dass Swiss Ski nach dem Zwischenurteil nicht mehr mit einem Obsiegen vor dem
CAS rechnet, aber trotzdem die Vergütungen nicht anpassen will.
Sind keine Gespräche mit Swiss Ski möglich, wird das OK der Lauberhornrennen zu seinem Bedauern
die Fortsetzung des CAS-Verfahrens verlangen müssen. Aus der Sicht des OK wäre mit etwas gutem
Willen eine einvernehmliche Lösung möglich.


Swiss Ski will Lauberhornrennen aus dem Rennkalender streichen lassen
Die neuesten Entwicklungen sind nun alarmierend: Am 18. Mai 2020 wurde dem OK der
Lauberhornrennen von der FIS mündlich mitgeteilt, dass Swiss Ski gegenüber der FIS verlangt habe,
die Lauberhornrennen künftig aus dem Weltcupkalender zu streichen. Zusätzlich wurde die FIS
angewiesen, diesen Antrag dem OK der Lauberhornrennen gegenüber zu verschweigen. Dieses
Vorgehen ist einer langjährigen und erfolgreichen Partnerschaft absolut unwürdig, und entspricht in
keiner Art und Weise einer Good Governance.
Aus der Sicht des OK der Lauberhornrennen brüskiert Swiss Ski damit nicht nur einen langjährigen
und treuen Partner, der mit der aufwändigen Durchführung von hochstehendem Skirennsport
während langen Jahren hohe Einnahmen für Swiss Ski ermöglichte, sondern auch den internationalen
Skirennsport: Wegen der fehlenden Bereitschaft von Swiss Ski, im Gespräch Lösungen zu finden, soll
es den Athleten nun verunmöglicht werden, eines der weltweit attraktivsten Rennen zu bestreiten.
Offensichtlich sieht sich Swiss Ski nicht in der Lage, partnerschaftlich am Verhandlungstisch eine
Lösung zu finden, wie das unter Sportlern üblich ist. Mit maximalem Druck soll das OK in Wengen zur
Aufgabe gezwungen werden.
Die FIS teilte Swiss Ski offenbar mit, dass ein Antrag auf Rückgabe von Weltcuprennen an der Sitzung
des Worldcup-Subkomitees zu erfolgen habe. Dies ist heute geschehen. Zusätzlich wurde Swiss Ski
darüber informiert, dass die Rennen in einem solchen Fall zurück an die FIS und so möglicherweise
für die Schweiz ganz verloren gehen würden. Das Worldcup-Subkomitees hat den Antrag zuhanden
des FIS Councils entgegengenommen und selber keinen Entscheid gefällt.


Widersprüchliches Verhalten des Swiss Ski-Präsidenten
Das eigenmächtige Vorgehen von Swiss Ski erstaunt und befremdet umso mehr, als dass Urs
Lehmann, Präsident von Swiss Ski, noch vor wenigen Tagen (09.05.2020) in mehreren Interviews (u.a.
im Blick) die Wichtigkeit der Lauberhornrennen für den nationalen Schneesport betonte. Selbst ein
Lauberhornrennen ohne Zuschauer erachtete er für „besser als gar nichts“.
Weiter hat Urs Lehmann am 11. Mai 2020 in einem Interview, welches auf www.skionline.ski publiziert
worden ist, festgehalten, dass die Abfahrten in Kitzbühel, Wengen und Garmisch-Partenkirchen

bezüglich Einschaltquoten die besten Werte lieferten. Weiter führt er aus, dass der Skisport diese
Events brauche und die Abfahrten, von allen Disziplinen am besten funktioniere.
Die Tatsache, dass Urs Lehmann unter anderem am 9. und 11. Mai 2020 die ausserordentliche
Wichtigkeit der Internationalen Lauberhornrennen in Wengen betonte und nur wenige Tage später
die Streichung eben dieser Rennen aus dem FIS Weltcup-Kalender beantragt, ist in keiner Art und
Weise nachvollziehbar. Gerade in der heutigen unsicheren Zeit wäre eine klare und aufrichtige
Strategie von grosser Wichtigkeit.


Für das OK der Internationalen Lauberhornrennen ist nach wie vor eine Lösung möglich
Wie bereits während der gesamten Dauer des CAS-Verfahrens ist das OK der Lauberhornrennen nach
wie vor gesprächsbereit. Wir sind überzeugt, dass wir mit viel Einsatz und Herzblut sowie in
Kombination mit hervorragenden Athleten, den vielen Zuschauern vor Ort und am TV auch in Zukunft
herausragenden Skirennsport bieten können.
Aktuell will Swiss Ski das OK der Lauberhornrennen offensichtlich mit maximalem Druck in die Knie
zwingen. Anders ist das Stillschweigen der letzten Wochen seit dem CAS-Zwischenurteil sowie der
Antrag, das Rennen - ohne vorgängige Information der Verantwortlichen in Wengen – definitiv und
für die nächsten Jahre vom Kalender zu streichen, nicht zu interpretieren. Trotz dieser unsportlichen
Vorgehensweise ist das OK der Lauberhornrennen nach wie vor für partnerschaftliche Lösungen
offen.


Wengen, 20.05.2020


veröffentlicht
12:54:19 20.05.2020
Team Lauberhorn